 |
GUNILLA JÄHNICHEN »Zöglinge«
Die in der Ausstellung gezeigten Zeichnungen und Collagen beschreiben das Dasein mädchenhafter Figuren in Welten, die zwischen Comic und Kinderzimmer, Hollywood und dem Nordpol liegen. Die Figuren sind Mischformen aus Mensch und Tier oder Mensch und Monster.
Das Kinderschema spielt bei den dargestellten Wesen eine wichtige Rolle: großer Kopf auf kleinem Körper, große Augen, kleine Nase, kleiner Mund - das haben alle Porträts gemeinsam, sie lösen unwillkürlich einen Beschützerinstinkt aus. Die Erinnerung an kindhafte Intensität, die im Erwachsenenleben normalerweise in abgegrenzte Reservate verbannt wird, wird wieder wachgerufen.
Die Posen, die die Wesen einnehmen erinnern dagegen an die fotografisch eingefrorenen aber dennoch dynamisch wirkenden Posen von Modellen in Modemagazinen; zum Teil gepaart mit einer kindlichen Vorstellung von Macht und Gewalt. Immer ein wenig aggressiv spielen die Figuren mit dem Bild des Niedlichen. Sie scheinen wie Helden aus einem Märchen, die aus ihrer ursprünglichen Bestimmung entschlüpfen und sich gefährlich verselbstständigen.
Man findet Zitate aus der Popkultur wie Posen aus Actionstreifen, Modezitate aus Musikvideos, Piecings, Sonnenbrillen, Glücksketten. Die einzigen Gegenspieler zur Hauptakteurin sind Tiere und Monster. Diesen wird ähnlich wie in Märchen und Fabeln eine erzählerische Funktion gegeben.
Es geht um die Konstitution eines Ichs durch das einnehmen verschiedener Rollen denen wir im Alltag als Klischee begegnen. Diese Klischees werden in den Zeichnungen ironisch gebrochen. Die Zeichnung entspricht in ihrer Ausführung dieser Idee des Naiven. Eine Beschäftigung mit dem Detail findet nur vereinzelt statt, hauptsächlich beschränkt sich der Ausdruck auf eine gesetzte Linie. Dadurch bleibt die Zeichnung unmittelbar und direkt, verzichtet aber gleichzeitig darauf sich technisch zu vertiefen.
|