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MICHAEL PFISTERER »Module«
Michael Pfisterer, Jahrgang 1976, entwickelt sein Bildgedächtnis in dieser Zeit. Für ihn ist die Allgegenwart der Fotografie selbstverständlich und die Technik ohne großen Aufwand verfügbar wie Fernsehen, Spülmaschine oder Computer. Ihm stellt sich auch nicht die Frage nach der künstlerischen
Gattung. Fotografie dient ihm als grundlegendes Werkzeug zur Bildgestaltung. Die Idee des zu entwickelnden Bildes lässt ihn zunächst zur Kamera Greifen und nicht der spektakuläre äußere Anlass. Fotografische Motive sind die Grundlage seiner Bilder. Als Ausgangsmaterial dienen ihm häufig Architekturen, Landschaften, jedwede Konstruktionen oder die ganz der Funktionalität verschriebenen Versuchsanordnungen der Laserphysik - , die er fotografiert. Ihm geht es dabei nicht mehr um das Abbild des Spektakulären oder vermeintlich Besonderen, sondern um die Umsetzung einer konstruktiven grafischen Bildkomposition. Die Grundlagen seiner Bilder sind häufig tektonische Elemente, die zum unbewussten Bildkanon unserer täglichen Wahrnehmung gehören. Es sind funktionalistische >=Alltags-Architekturen"
Wie beispielsweise Parkhäuser oder Verwaltungsgebäude, an denen man für gewöhnlich achtlos vorüber geht. Michael Pfisterers Arbeiten verweisen uns als Betrachter auf die formalen Schönheiten, konstruktiven Besonderheiten und räumlichen Proportionen, die gerade diese Gebäuden kennzeichnen.
Die im Alltag gewöhnlich ob ihrer ästhetischen Präsenz wenig beachteten Parkhäuser bilden eine wichtige Gruppe in Michael Pfisterers Werk. Die Stahlbeton-Stellagen müssen gut durchlüftet sein, also verbietet sich
Eine geschlossene Außenhaut. Dadurch haben die Architekten weitgehend freie Hand bei der formalen Gestaltung der durchbrochenen äußeren Schale. Diese weitgehend funktionslosen Fassaden werden gerne in vorgeblendete baugleiche Module aufgelöst, die Etagenweise einem bestimmten Rhythmus oder Raster
folgen. Derartig unscheinbare bauliche Gliederungen sucht Michael Pfisterer und fotografiert sie, um sie für seine Bilder zu verwenden. Mit dem Foto wird der aufgenommene Baukörper zunächst zu einer zweidimensionalen, geometrischen Struktur. Nach diesem ersten Schritt unterzieht der Künstler dem Motiv seine eigentliche gestalterische Bildbearbeitung, zu der es zunächst digitalisiert wird. Nun reduziert er die natürliche Farbigkeit, um Räumlichkeiten und Flächen im Bild gemäß seiner Intention optimieren zu können. Anschließend nimmt er unter Umständen weitere formale Eingriffe vor, bis das Werk nach seinen Vorstellungen gestaltet ist. Die fertige Arbeit kann sich dabei nur unwesentlich von der abgebildeten Wirklichkeit unterscheiden, oder Pfister löst die aufgenommenen Strukturen zu Bildmodulen oder Versatzstücken auf und fügt sie zu neuen Bildelementen zusammen.
Auch wenn die Fotografie letztlich für Pfisterer eher ein Werkzeug seiner Bildfindung ist und sie für die abschließende Bildgestaltung beinahe eine untergeordnete Rolle spielt, sehen wir als Betrachter gewohnheitsgemäß seine Arbeiten als Fotos. Erst auf den zweiten Blick erschließen sich häufig
Pfisterers irritierende Sichtweisen. Ob sie jedoch ein Produkt der künstlerischen (Nach-)Bearbeitung des Fotos sind oder ob der Künstler sie genau so fotografiert hat, bleibt dabei bewusst im Dunkeln. Pfisterer
schärft mit seinen Arbeiten den Blick für den Reiz von an sich unspektakulären baulichen Details, betont funktionalen Innenräumen oder der minimalistischen Geometrie physikalischer Versuchsaufbauten.
Im Prozess ihrer Bildwerdung verweisen Michael Pfisterers Arbeiten mit Fotografie damit trotz seines Einsatzes neuester digitaler Technik in gewisser Weise auf die Anfänge des Mediums zurück, als es schon einmal darum ging, mit einer neuen Technik bis dato ungesehene Bilder nach der Wirklichkeit zu schaffen.
Dirk Dobke
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