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JAN KÖCHERMANN »Walkways«
Jan Köchermann beschäftigt sich seit 1996 mit dem skulpturalem Element Schacht. In verschiedenen Varianten führt ein begehbarer Gang zu Erfahrungen von Risikobereitschaft, dem Durchgang von innen und außen, der sinnlichen Grenzwerterfahrung in der Faszination und Unerreichbarkeit des Fliegens und der desillusionierenden Umkehr.
Presse (Hamburger Abendblatt 24.9.03):
»Passagen, Transgressionen, Schwellen oder schlichtweg: Übergänge. In allen Kulturen begegnen wir diesen symbolisch hoch aufgeladenen Wegstrecken. Von einem Raum in den anderen führen sie den Menschen, auf dem Weg in eine andere Welt. Durch das Kirchenportal geht’s ins Gotteshaus, durch Petrus Pforte ins Jenseits und durch den Time Tunnel in andere Zeiten. Zwar gestalten sich Jan Köchermanns "Walkways" nicht ganz so dramatisch. Wohin sie führen, wo sie enden bleibt mehr der Einbildungskraft des Betrachters als dem Plan einer göttlichen Vorhersehung überlassen. Doch liegt auch seinen Skulpturen und Modellen immer wieder die Idee des Übergangs oder Durchgangs zugrunde. Vom Brückengang in Streichholzschachtelformat bis zum deckenhohen Gebäude sind sie zur Zeit in der Harburger Galerie artfinder ausgestellt.
Köchermann, der erst vor kurzem im Kaispeicher A eine offene und begehbare Schwellensituation schuf, zeigt hier die ganze Pallette seines Passagenwerks. Ganz neu dabei im Programm: zwei meterhohe Gebäude. Das eine verschlossen schwarz wie ein Monolith, das andere von Hunderten von Fenstern regelrecht durchlöchert. Und irgendwo, sei es tief unten oder in schwindelerregender Höhe führt der Weg raus ins Freie oder in einen anderen, nur der Imagination zugänglichen Raum.
Aber es geht auch realer zu. Zum Beispiel mit dem meterlangen Modell einer trostlosen Fußgänger- und Radunterführung in St. Georg, bemalt mit Graffiti und als cineastische Zugabe mit mehreren Filmen im Angebot, die der Betrachter per Fußpedal ins Innere projezieren kann. Da läßt sich kurzweilig in und durch die Röhre blicken. Und mit dem sprichwörtlichen Licht spielen, das einem am Ende eines jeden Tunnels erwartet. Oder man blickt wortwörtlich ins Schwarze. In ein kleines, leicht schäbiges Puppenhaus etwa, wo vor verlassenem Fernsehsessel schwarze Löcher im TV flimmern. Man weiß eben nie wohin der Weg führt. Nach oben, in den Abgrund oder in die unbekannte Tiefe.« (bis 13.10.)
Text: Wolf Jahn
Weitere Arbeiten und Informationen zu JAN KÖCHERMANN, siehe unter "künstler".
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