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GEROLD TAGWERKER alphaville/zero5
Jean-Luc Godards filmischer Blick auf Formen des urbanen Modernismus ist ein zentraler Moment seines Films "Alphaville", der Anfang der 60er Jahre in Paris aufgenommen wurde. Eddie Constantine spielt den AgentenLemmy Caution, der sich recherchierend durch das moderne Paris bewegt.
Auch Gerold Tagwerker ist ein solcher Beobachter urbaner modernistischer Strukturen. Seine Arbeiten lassen sich auf konkrete
Seherfahrungen im städtischen Raum zurückführen, zeigen als großformatige Fotografien anonyme, durchschnittliche Archtitekturen und Zeichen eines urbanen Modernismus, Fassaden und Interieurs funktionaler Architektur
von öffentlichen oder halböffentlichen Gebäuden, wie Bibliotheken, Schulen und Universitäten, Lobbies von Bürogebäuden,Verwaltungsgebäuden oder Kulturinstitutionen.
Drei solche Orte aus Tagwerkers Werkreihe der "interiors" sind - neben einer Videoarbeit aus collagierten Bildern aus Godard´s"Alphaville" - in der Ausstellung zu sehen: Die "Paul Gavin Library", das "Atrium
Office Plaza" und die "Joseph Regenstein Library" - Aufnahmen von Innenräumen, die während eines längeren Arbeitsaufenthalts von Gerold Tagwerker in Chicago im Jahr 2001/2002 entstanden. Die Bilder zeigen Innenräume modernistischer Mainstream-Architekturen, wirken wie film-stills aus einer Bewegung aus aufgenommen, und lassen manche Raumsituation wie collagiert und montiert erscheinen. Skulptural geformte Stiegen, kreisrunde Bodenöffnungen als Abgang, rasterförmig angeordnete
Leuchtkörper sind Elemente, die Assoziationen an Arbeiten von Künstlern der 60er/70er Jahre wie Dan Flavin, Gordon Matta-Clark oder zu Stahl-Bildhauern dieser Zeit zulassen.
Die Auseinandersetzung mit Formen des Design ist ein weiteres Feld, das sich in der Arbeit von Gerold Tagwerker findet. Im Galerieraum steht die Licht-Skulptur "cube.cool-white" als weißer,
kühler Würfel mit glatter Oberfläche aus weißem Kunststoff und weckt
Erinnerungen an alltägliche Deckenbeleuchtungen öffentlicher Gebäuden. Tatsächlich hat der Künstler solche Elemente verwendet und zu einem Kubus zusammengefügt. Dieser Würfel blinkt nun in schnellem Rhythmus, alternierend leuchten einzelne Seitenfelder auf, scheinbar ohne einer nachvollziehbaren Logik
in Bewegung und Rhythmik zu folgen, und um letztendlich dann doch für einen Moment alle seine sechs Seiten aufleuchten zu lassen und als "perfekte" Form zu erscheinen.
Tagwerkers Arbeit scheint sperrig und voller Verweise und Anspielungen auf Formalismus und Minimal Art. Sie offenbart zudem ein
subtiles Spiel mit dem "urbanen Gedächtnis", mit einer Formensprache, die das Bekannte filtert und in einen anderen, irritierenden Kontext überführt. Es ist der Blick des distanzierten Betrachters, des "geheimen Agenten", der die Rolle des Flaneurs in neuer Gestalt einnimmt und seine "urban studies" durchführt.
Zur Ausstellung erscheint eine Edition.
Weitere Arbeiten und Informationen zu GEROLD TAGWERKER, siehe unter "künstler".
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